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Maskenspiel am Arbeitsplatz: Präsenzkultur treibt Beschäftigte zur Simulation von Produktivität

31. März 2026

Viele Beschäftigte inszenieren Anwesenheit statt echte Leistung

Laut einer aktuellen Umfrage optimieren viele Büroangestellte in Deutschland ihr Auftreten, um beschäftigt zu wirken, statt ihre Arbeit ausschließlich über messbare Ergebnisse bewerten zu lassen. Die Erhebung unter 1000 hybrid arbeitenden Angestellten zeigt, wie verbreitet das Schauspiel im Homeoffice und im Büro geworden ist und welche Mechanismen dahinterstecken.

Die Mehrheit der Befragten ist überzeugt, dass Anwesenheit von Arbeitgebern höher bewertet wird als klare Leistungskennzahlen. Nur rund ein Drittel gab an, sich ausschließlich über die eigene Arbeit definieren zu wollen. Stattdessen greifen Beschäftigte zu verschiedenen Mitteln, um Präsenz zu signalisieren:

  • 27,7 Prozent halten den Online-Status im Homeoffice künstlich auf sichtbar
  • 25,4 Prozent bleiben länger im Büro, solange die Führungskraft noch da ist
  • Knapp 25 Prozent versenden bewusst E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten
  • Etwa 20 Prozent melden sich in Besprechungen, ohne inhaltlichen Mehrwert zu liefern
  • Rund 17 Prozent lassen Jacke oder Tasche im Büro, um Anwesenheit vorzutäuschen

Als Hauptgründe nannten die Befragten eine Unternehmenskultur, die Präsenz über Ergebnis stellt, sowie Angst um den Arbeitsplatz angesichts unsicherer wirtschaftlicher Lage. Viele wünschen sich hingegen eine leistungsorientierte Bewertung: Zwei Drittel wären bereit, fünf Prozent oder mehr ihres Gehalts zu opfern, wenn ihre Arbeit ausschließlich an Ergebnissen gemessen würde. 70 Prozent würden einen solchen Gehaltsverzicht sogar für die Möglichkeit akzeptieren, dauerhaft im Homeoffice zu arbeiten.

Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland, fasste die Konsequenz knapp zusammen: «Nicht die Qualität der Arbeit entscheidet, sondern ihre Sichtbarkeit.» Hensgens warnte davor, dass eine Kultur, die Anwesenheit fordert, genau jene Optimierung hervorruft, die Unternehmen eigentlich vermeiden wollen: Scheinpräsenz statt nachhaltiger Produktivität. Für Betriebe und Mitarbeitende sei das weder effizient noch langfristig tragbar.

Die Ergebnisse werfen eine grundlegende Frage auf: Wollen Unternehmen wirklich Anwesenheit kontrollieren, oder sollten sie Instrumente stärken, die Leistung transparent und fair messbar machen? Die Debatte um Büropräsenz und Leistungsbewertung dürfte damit in vielen deutschen Firmen weiter an Dynamik gewinnen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: stern.de

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