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Maskierte Leistung: Präsenzdruck und Boreout treiben zwei Drittel der Beschäftigten zum Vorspiegeln von Produktivität

31. März 2026

Zwei Drittel der Beschäftigten geben Produktivität nur vor

Deutschlandweit zeigt eine Umfrage der Jobplattform Indeed unter 1000 hybrid arbeitenden Büroangestellten, dass rund zwei Drittel der Befragten im Berufsalltag absichtlich produktiver wirken, als sie tatsächlich sind. Die Gründe reichen von klassischem Präsenzdruck über Boreout bis zur Angst vor beruflichem Abstieg.

Ob im Großraumbüro oder im Homeoffice, viele Beschäftigte greifen demnach zu Verhaltensmustern, die Experten als Task Masking bezeichnen. Dabei geht es weniger um offenen Arbeitszeitbetrug als um Strategien, die Sichtbarkeit und Engagement vortäuschen sollen: ständige Anwesenheit in Chats, schnelle, aber oberflächliche Antworten in Meetings oder das simulierte Arbeiten an sichtbaren Dokumenten.

  • Präsenzpflicht und die sichtbare Wirksamkeit von Mitarbeitenden in digitalen Tools erzeugen zusätzlichen Leistungsdruck.
  • Boreout, also Unterforderung, führt dazu, dass Arbeit nur noch gespielt wird, um Sanktionen oder Karriereeinbußen zu vermeiden.
  • Angst vor Kontrollverlust und schlechter Beurteilung begünstigt taktische Sichtbarkeitsstrategien.

Beschäftigte schildern typische Verhaltensweisen: «Ich lasse am Rechner ein Dokument offen und wechsle schnell zu einem Chat, wenn jemand ins Büro schaut», berichtet eine Befragte. Andere geben an, sich aktiv an Diskussionen zu beteiligen, auch wenn sie inhaltlich nicht beitragen wollen, allein um präsent zu erscheinen.

Personalverantwortliche stehen damit vor einem Dilemma. Sichtbare Aktivität ist nicht länger ein verlässlicher Indikator für Leistung, gleichzeitig fehlt in vielen Teams eine transparente Messung von Outcome. Expertinnen und Experten fordern deshalb klare Zielvereinbarungen, mehr Vertrauen in die Arbeitsausgestaltung und eine bessere Balance zwischen Präsenz und Ergebnisorientierung.

Auf individueller Ebene empfehlen Arbeitspsychologinnen und -psychologen ehrliche Gespräche über Arbeitsbelastung und Anforderungsprofile, sowie Führungskräftetrainings, die den Umgang mit Unsicherheit und Unterforderung verbessern. Für Unternehmen lohne es sich, Leistung nicht mehr primär über Anwesenheit, sondern über nachvollziehbare Resultate zu bewerten.

Die Debatte hat politische Relevanz: Wenn Arbeitskultur zunehmend auf Scheinpräsenz basiert, steigen langfristig Misstrauen, Krankheitsrisiken und Fluktuation. Die Umfrage macht deutlich, dass viele deutsche Beschäftigte in einem Spannungsfeld aus Selbsterhalt, Angst und Anpassung agieren und dass gezielte Reformen in Führung und Bewertungssystemen nötig sind, um Task Masking zurückzudrängen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: derstandard.de

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