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Zwei Drittel geben mehr Anwesenheit vor als echte Produktivität

29. März 2026

Präsenzkultur überlagert Leistung: Viele Mitarbeitende spielen produktiver als sie sind

Berlin. Zwei Drittel der hybrid arbeitenden Büroangestellten in Deutschland geben laut einer Umfrage der Jobplattform Indeed vor, produktiver zu sein als sie tatsächlich sind. Die Erhebung unter 1000 Beschäftigten zeigt, wie stark Anwesenheitsregeln und die Sorge um den Arbeitsplatz das Verhalten im Büro und Homeoffice prägen.

Mehr als die Hälfte der Befragten, genau 55,9 Prozent, ist der Ansicht, dass Vorgesetzte Anwesenheit höher bewerten als messbare Arbeitsergebnisse. Nur rund ein Drittel vertraut darauf, allein durch Leistung aufzufallen.

Beliebte Strategien zur Scheinpräsenz

Um Präsenz zu signalisieren, greifen Beschäftigte zu verschiedenen Mitteln. Die Studie nennt mehrere verbreitete Verhaltensweisen:

  • 27,7 Prozent halten im Homeoffice ihren Online-Status künstlich auf anwesend
  • 25,4 Prozent bleiben länger im Büro, solange die Führungskraft noch da ist
  • Knapp ein Viertel verschickt bewusst E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten, etwa spätabends
  • Über 20 Prozent melden sich in Besprechungen, ohne inhaltlich beizutragen, um Präsenz zu zeigen
  • Etwa 17 Prozent haben schon einmal Jacke oder Tasche im Büro gelassen, um zu signalisieren, sie seien noch vor Ort

Die Befunde zeichnen das Bild einer Arbeitskultur, in der Sichtbarkeit oft wichtiger erscheint als effiziente Ergebniserstellung. Das kann zu verlängerten Arbeitszeiten, erhöhtem Stress und einer Verzerrung dessen führen, was als produktiv gewertet wird.

Folgen und Handlungsbedarf

Arbeitspsychologinnen und Expertinnen für Organisationsentwicklung warnen, dass solche Praktiken langfristig Motivation und Gesundheit schädigen können. Unternehmen sollten klare Kriterien für Leistung definieren und mehr Vertrauen in ergebnisorientierte Steuerung investieren. Transparente Zielvereinbarungen, verlässliche Leistungskennzahlen und eine Kultur, die Qualität statt Anwesenheit belohnt, könnten Scheinpräsenz reduzieren und echte Produktivität fördern.

Die Umfrage wirft auch ein Licht auf die anhaltende Debatte um hybride Arbeitsmodelle und Führung auf Distanz: Solange Anwesenheit als Qualitätsmerkmal missverstanden wird, werden viele Mitarbeitende Wege suchen, präsent zu wirken, statt offen über Arbeitsbelastung und Erwartungen zu sprechen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: handelsblatt.com

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