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Die Zumutung Büroarbeit: Wie Meetings, Mails und Kontrolle die Arbeit aushöhlen

28. September 2026

Büroalltag als Zumutung für produktives Arbeiten

Viele Beschäftigte erleben ihren Arbeitsplatz als Quelle ständiger Frustration: endlose Meetings ohne Ergebnis, ein Strom von Mails, engmaschige Kontrolle durch Vorgesetzte und das Gefühl, trotz voller Wochen keine wirkliche Tiefearbeit leisten zu können. Der Arbeitsforscher Hans Rusinek fordert in seinem neuen Buch «Reclaim Work» eine Rückeroberung der Arbeit als Ort, an den Menschen gern hingehen.

Rusinek, Professor an der Universität St. Gallen, erklärt, wie strukturelle Fehler den Berufsalltag zermürben. Er kritisiert nicht nur ineffiziente Abläufe, sondern auch die ökonomischen Zwänge: «Es nervt, dass wir uns durch unsere Arbeit allein keine Immobilie mehr leisten können», sagt er und macht damit deutlich, wie Arbeit und Lebensqualität zusammenspielen.

Konkrete Ärgernisse und ihre Folgen

Die Belastungen sind vielfältig und haben reale Folgen für Gesundheit und Motivation:

  • Sinnlose oder schlecht vorbereitete Meetings, die Zeit rauben.
  • Informationsüberflutung durch E-Mails und Kanäle, die ständige Erreichbarkeit erzwingen.
  • Führungskulturen, die Kontrolle über Vertrauen stellen und dafür Autonomie opfern.
  • Abläufe, die tiefe, konzentrierte Arbeit verhindern und Kreativität ersticken.

Solche Faktoren führen laut Rusinek zu sinkender Produktivität, höherer psychischer Belastung und vermehrter Fluktuation. Die Kritik zielt weniger auf einzelne Beschäftigte als auf das System, das produktive Arbeit systematisch erschwert.

Was sich ändern lässt

Rusinek schlägt praktikable Maßnahmen vor, die Unternehmen und Politik ergreifen können, um Arbeitsplätze lebenswerter und wirkungsvoller zu machen:

  • Meetingkultur reformieren: klare Ziele, kürzere Dauer, nur notwendige Teilnehmer.
  • Asynchrone Kommunikation stärken und E-Mail-Flut reduzieren.
  • Mehr Autonomie und vertrauensbasierte Führung statt Mikromanagement.
  • Arbeitsprozesse so gestalten, dass Zeit für konzentrierte, anspruchsvolle Aufgaben bleibt.

Er betont, dass Veränderungen nicht allein durch Appelle an Einzelne gelingen, sondern durch organisatorische Gestaltungsentscheidungen. Unternehmen müssten Arbeit bewusst so strukturieren, dass sie sinnstiftend und nachhaltig ist.

In der Debatte um die Zukunft der Arbeit spielt auch die Frage nach sozialer Absicherung und Wohnkosten eine Rolle, wie Rusineks Alltagserfahrung in St. Gallen zeigt. Sein Appell richtet sich an Führungskräfte, Politik und Gesellschaft: Arbeit muss so gestaltet werden, dass sie Leben ermöglicht, statt es zu erschweren.

Die Forderungen in «Reclaim Work» sind weniger technischer Natur als ein Plädoyer für eine menschlichere Gestaltung von Arbeit. Wenn Unternehmen ihnen folgen, könnte der tägliche Gang ins Büro wieder an Bedeutung gewinnen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: tagesanzeiger.ch
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