Gefährlicher Homeoffice-Trick: Wie vermeintliche Jobs zu Identitätsfallen werden
Homeoffice-Angebote können in Betrug umschlagen
Pasewalk – Die Aussicht auf flexibles Arbeiten von zu Hause und ein hoher Stundenlohn locken viele Menschen. Für eine 21-Jährige aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald endete so ein Angebot Ende Juli jedoch in einer brenzligen Situation: Eine auf einer bekannten Jobplattform gefundene Stelle sollte angeblich das Testen von Kontoeröffnungsprozessen umfassen.
Die Bewerberin legte deshalb tatsächlich ein Bankkonto auf ihren Namen an und nutzte die vom angeblichen Arbeitgeber vorgegebene E-Mail-Adresse. Statt das Konto, wie vereinbart, wieder löschen zu lassen, erhielt sie wenig später eine Plastikkarte per Post. Misstrauisch geworden, suchte sie die Polizei auf. Zu diesem Zeitpunkt lag noch kein finanzieller Schaden vor.
Die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern warnt inzwischen vor professionell organisierten Täuschungen dieser Art. Kriminelle nutzten heute fertige Webseiten, gefälschte Identitäten und technische Dienstleistungen, zudem erleichtere künstliche Intelligenz die Produktion plausibel wirkender Anzeigen und Unterlagen.
Woran Betroffene Fallen erkennen können
Besonders aufmerksam sollten Jobsuchende werden, wenn eine Stelle mit wenigen oder keinen Anforderungen verbunden ist, aber hohe Vergütung und hundert Prozent Homeoffice verspricht. Weitere Warnsignale sind:
- sehr schnelle Zusagen ohne Prüfung von Zeugnissen oder Erfahrung,
- die Aufforderung, Ausweiskopien, Bankdaten oder Video-Ident-Verfahren durchzuführen,
- die Bitte, vorab Geld für Schulungen, Software oder Materialien zu überweisen.
Häufig interessieren sich die Täter weniger für Lebensläufe als für persönliche Daten. Mit Kopien von Ausweisen und Bankdaten lassen sich Konten eröffnen, Verträge abschließen oder Kredite aufnehmen. Besonders heikel sind Aufgaben, die angeblich das Testen von Banking-Prozessen erfordern – dann steckt man womöglich schon mitten in der Masche.
Praktische Vorsichtsregeln
So schützen sich Interessenten:
- Prufen, ob das Unternehmen existiert und die Stelle auf der offiziellen Firmenwebseite ausgeschrieben ist,
- im Zweifel telefonisch nachfragen und dabei nur die auf der offiziellen Webseite angegebenen Kontaktdaten verwenden,
- keine Ausweiskopien, Bankdaten oder die Teilnahme an Video-Ident-Verfahren ohne verifizierten Arbeitgeber freigeben,
- misstrauisch werden, wenn ein Arbeitgeber vor Arbeitsbeginn Geld fordert; normalerweise zahlt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer.
Die Verbraucherberatung rät zu erhöhter Aufmerksamkeit bei ungewöhnlich einfachen Bewerbungsabläufen und schnellen Zusagen. Wer Zweifel hat, sollte den Vorgang abbrechen und gegebenenfalls Strafanzeige stellen.
Die Warnung aus Mecklenburg-Vorpommern gilt als Beispiel für ein bundesweites Problem: Jobangebote im Netz sind praktisch, aber nicht immer harmlos. Wachsamkeit kann verhindern, dass Suche nach Arbeit zur Identitätsfalle wird.