Handwerk erlebt Aufschwung: Ausbildungsmesse zeigt Folgen der KI für Berufswahl
Handwerk gewinnt an Attraktivität im KI-Zeitalter
Augsburg — Auf der Ausbildungsmesse Fit for Job in Augsburg suchten am Wochenende viele junge Menschen und ihre Eltern nach klaren Antworten auf die Frage, welche Berufe in Zukunft Bestand haben. Die Stimmung in der Halle war geprägt von Neugier, aber auch von Unsicherheit: Während IT nach wie vor fasziniert, rücken tätige, handwerkliche Ausbildungsberufe stärker in den Fokus.
Am Stand der Bäckerinnung bildete sich eine lange Schlange. Dort konnten Jugendliche selbst Hand anlegen und eine Breze formen. Die praktische Erfahrung begeisterte viele, die sich zugleich Gedanken machen, ob Berufe am Bildschirm gegenüber der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz langfristig sicher sind.
Die 16-jährige Samantha nennt IT als Plan A, hat aber zugleich einen Plan B parat. «Es kann sein, dass KI künftig viele Programmieraufgaben übernimmt», sagt sie. Eine Tätigkeit bei der Polizei würde sie sich deshalb als Alternative vorstellen, weil sie dort menschliche Fähigkeiten für unabdingbar hält. Ihre Mutter betont, wie wichtig es sei, dass junge Menschen einen Beruf wählen, der ihren Interessen entspricht, nennt aber auch die Suche nach Zukunftssicherheit als wichtigen Faktor.
Vertreter des Handwerks berichteten, dass das Interesse deutlich gewachsen sei. Michael Balletshofer von den Bäckern beobachtet mehr Andrang als in früheren Jahren und vermutet, dass junge Menschen bewusst nach Berufen suchen, die sich schwer automatisieren lassen. Handwerk biete zwar oft keine klassischen Büroarbeitszeiten und nicht immer die höchsten Einstiegsgehälter, dafür aber direkte Arbeitserlebnisse und eine hohe Krisensicherheit.
Auch Unternehmen aus Bau und Handwerk zogen eine positive Bilanz. Bei Ludwig Pfeiffer Hoch- und Tiefbau hieß es, dass trotz digitaler Messmethoden die Nachfrage nach Fachkräften vor Ort weiter groß bleibe. Recruiting sei inzwischen einfacher geworden, die Bewerberzahlen seien gestiegen, etwa wenn Stellen in der IT des Betriebs ausgeschrieben werden.
Banken und Behörden berichten unterschiedlich von der Debatte über KI. An den Ständen der Raiffeisen-Volksbanken oder des Finanzamts Augsburg war das Thema kaum präsent. Dagegen berichteten Steuerberater von konkreten Rückfragen: Bewerberinnen und Bewerber sollten analytisch denken können und eine ausgeprägte Beratungsfähigkeit mitbringen, weil KI Tools Aufgaben verändern, aber nicht die gesamte Beraterrolle ersetzen werde.
Für Eltern bleibt ein einfacher Rat oft maßgeblich: «Lern was Ordentliches», heißt es, und das kann heute zunehmend Handwerk bedeuten. Die Messe zeigte, dass sich Berufsvorstellungen verschieben: Der Bildschirm ist nicht mehr automatisch das ersehnte Ziel, Handwerk erlebt eine neue Wertschätzung als verlässliche Perspektive im Wandel durch Technologie.
Die Ausbildungsmesse bot zahlreiche praktische Mitmachangebote, persönliche Gespräche mit Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Informationen dazu, welche Kompetenzen künftig gefragt sein dürften: technisches Verständnis, Problemlösungsfähigkeit und soziale Kompetenz bleiben wichtig, gleich ob in Werkstatt, Baustelle oder Büro.

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