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Homeoffice trotzt der Einbruch: Jede fünfte Stelle bietet Remote-Option

29. April 2026

Homeoffice stabilisiert sich trotz wirtschaftlicher Unsicherheit

Eine aktuelle Auswertung der Bertelsmann Stiftung zeigt: Flexible Arbeit bleibt kein Strohfeuer der Pandemie. Auf Basis von rund 79 Millionen Online-Stellenanzeigen liegt der Anteil von Angeboten mit Remote-Option seit 2024 stabil bei etwa 20 Prozent. Damit ist jede fünfte Ausschreibung zumindest teilweise remotefähig und mobiles Arbeiten etabliert fester Bestandteil moderner Arbeitsorganisationen.

Die Analyse dokumentiert einen deutlichen Wandel: Vor der Pandemie lag die Quote bei 3,7 Prozent, bis 2022 stieg sie auf 16,8 Prozent und stabilisierte sich danach auf dem heutigen Niveau. Arbeitsmarktexperte Gunvald Herdin kommentiert dazu: «Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben.»

IT und höher qualifizierte Berufe als Treiber

Besonders stark profitieren IT-Berufe von der Entwicklung. Unter den zehn Berufen mit der höchsten Homeoffice-Quote finden sich sieben IT-Tätigkeiten: Im Jahr 2025 boten 69 Prozent der Anzeigen für IT-Anwendungsberaterinnen und -berater Remote-Optionen, für Netzwerkspezialistinnen und -spezialisten waren es 64 Prozent. Auch Steuerberaterinnen und Steuerberater verzeichneten einen deutlichen Sprung: 67 Prozent der Stellenanzeigen enthalten inzwischen Homeoffice-Angebote, ein Plus von 61 Prozentpunkten gegenüber 2019.

Insgesamt bleibt mobile Arbeit jedoch ungleich verteilt: Rund 35 Prozent der Akademikerinnen und Akademiker arbeiten remote, bei Personen mit Meister- oder Bachelorabschluss sind es 30 Prozent, auf Helferinnen- und Helferniveau lediglich vier Prozent. Das zeigt, dass Homeoffice vor allem höher qualifizierten Tätigkeiten vorbehalten ist.

Gleichstellungspotenzial bleibt weitgehend ungenutzt

Trotz der Vorteile für Vereinbarkeit und Pflegeaufgaben nutzt die Verbreitung von Homeoffice das Potenzial für mehr Gleichstellung nur eingeschränkt. In frauendominierten Berufen liegt die Homeoffice-Quote bei 13 Prozent, in männerdominierten Berufen bei 22 Prozent. Bei hochqualifizierten Tätigkeiten stehen 22 Prozent in frauendominierten Berufen rund 46 Prozent in männerdominierten gegenüber. Arbeitsmarktexpertin Michaela Hermann mahnt: «Homeoffice ist ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument. Gerade für Eltern und Pflegende ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend. Aber weder der Gender Care Gap noch der Gender Pay Gap verschwinden deshalb automatisch.» Gesucht sind gezielte Maßnahmen, etwa für Pflege, Erziehung und Gesundheitsberufe, um ortsflexiblere Optionen dort zu erweitern.

Regionale Schere zwischen Ballungsräumen und Land

Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede: In Großstädten liegt der Anteil an Homeoffice-Angeboten bei rund 28 Prozent, in ländlichen Regionen ist er deutlich niedriger. Gründe sind die Branchenstruktur und die Dichte wissensbasierter Tätigkeiten in Ballungsräumen. Im Ranking stehen Stuttgart mit 38 Prozent an der Spitze, gefolgt von Düsseldorf mit 37 Prozent und Frankfurt am Main mit 36 Prozent.

Fazit: Homeoffice hat sich von einer pandemischen Notlösung zu einem stabilen Element des Arbeitsmarktes gewandelt. Damit eröffnen sich Chancen für Arbeitszeit- und Ortsflexibilität, zugleich bleiben strukturelle Ungleichheiten zwischen Branchen, Qualifikationsniveaus und Geschlechtern eine politische und betriebliche Herausforderung.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: leadersnet.de

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