Kroger streicht 3.000 Zentralstellen und verändert seine Unternehmensstruktur grundlegend
Kroger kündigt Abbau von rund 3.000 Zentralstellen an
Cincinnati — Der US-Lebensmittelriese Kroger hat einen der umfangreichsten Personalumbauten seiner Unternehmensgeschichte angekündigt. In den kommenden drei Jahren sollen etwa 3.000 Stellen in der Zentrale wegfallen, das entspricht rund 37 Prozent der knapp 8.000 Büroangestellten.
CEO Greg Foran, der im Februar von Walmart zu Kroger wechselte, begründete die Entscheidung in einem internen Memo mit dem Ziel, das Unternehmen zu vereinfachen: «Vereinfachung bedeute schnellere Entscheidungen und mehr Ressourcen dort, wo sie zählen.» Foran sprach von zu vielen Hierarchieebenen und doppelt gemachten Arbeitsabläufen, die abgebaut werden sollen. Künstliche Intelligenz solle helfen, Prozesse zu straffen und Effizienz zu steigern.
Welche Abteilungen konkret betroffen sein werden, will Kroger in den kommenden Monaten bekanntgeben. Die Einsparungen sollen laut Unternehmensangaben in niedrigere Preise, ein verbessertes Einkaufserlebnis in den Filialen und in Maßnahmen zugunsten der Mitarbeiter an der Front fließen. Beobachter sehen den Schritt vor dem Hintergrund schwächerer Wachstumsraten, verschärften Wettbewerbs im Einzelhandel und anhaltender Inflationsrisiken.
Gleichzeitig droht ein hoher Milliardenanspruch aus dem Fusionstreit
Parallel zum Personalabbau verschärft sich der Rechtsstreit mit dem Konkurrenten Albertsons. Vor dem Delaware Chancery Court fordern Anwälte von Albertsons mehr als 9 Milliarden US-Dollar von Kroger, darunter eine angebliche entgangene Aktionärsprämie, Vertragsstrafen und Zinsen. Albertsons wirft Kroger vor, vertragliche Pflichten verletzt und Genehmigungsfragen nur unzureichend bearbeitet zu haben. Kroger weist die Vorwürfe zurück und betont, alle zumutbaren Schritte zur Genehmigung unternommen zu haben. Ein Gerichtsverfahren ist für Oktober angesetzt und könnte erhebliche finanzielle Folgen haben.
Analysten sehen in der Kombination aus Stellenabbau und möglicher Schadenersatzzahlung eine doppelte Herausforderung: Während der Umbau die Kostenbasis reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit stärken soll, könnte ein hoher Prozessverlust die Bilanz deutlich belasten.
Börsenreaktion und Ausblick
Die Kroger-Aktie schloss am Tag der Ankündigung bei 62,56 US-Dollar und verbuchte ein Plus von 1,5 Prozent, das Memo war erst nach Handelsschluss bekannt geworden. In der anschließenden Nachbörse gab das Papier leicht nach. Sollte das Gericht in Delaware Albertsons hohe Schadenersatzforderungen zusprechen, wäre das für Kroger finanziell einschneidend. Andererseits könnte ein erfolgreicher Umbau die Profitabilität langfristig stützen und dem Konzern ermöglichen, sich im harten Einzelhandelsumfeld besser zu behaupten.
Für Beschäftigte in der Zentrale und für Aktionäre bleiben die kommenden Monate entscheidend: Details zu betroffenen Funktionen, Zeitplänen und Abfederungsmaßnahmen will Kroger schrittweise veröffentlichen.