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Macht und doppelte Standards: Warum selbstbewusste Frauen im Job oft kritisiert werden

09. Mai 2026

Gleiches Verhalten, unterschiedliche Bewertung

Berlin — Selbstbewusstes, durchsetzungsstarkes Auftreten wird im Berufsalltag nicht für alle gleich wahrgenommen. Während bei Männern hartes Durchgreifen oft als Engagement und Führungsstärke gewertet wird, stoßen Frauen mit ähnlichem Verhalten häufiger auf Ablehnung und werden als unnahbar oder emotional etikettiert.

Expertinnen und Experten sehen darin kein individuelles Problem, sondern einen strukturellen Doppelstandard. Die Business- und Personal-Coach Eva Boos beobachtet in vielen Branchen Machtspiele auf allen Hierarchieebenen. Ihr zufolge existieren die Szenen nicht nur zwischen Männern, sondern auch zwischen Frauen und gemischtgeschlechtlichen Teams. Entscheidend sei, dass Gesellschaft und Organisationen das gleiche Auftreten unterschiedlich deuten.

Soziale Kosten für Rollenbruch

Der Arbeitspsychologe Prof. Gerhard Blickle verweist auf die Forschung zum sogenannten Backlash: Menschen, die gängige Rollenerwartungen verletzen, müssen mit sozialen oder ökonomischen Sanktionen rechnen. Er schildert einen Fall, in dem eine deutliche Drohung eines männlichen Betriebsratsmitglieds gegenüber einem Geschäftsführer gelassen aufgenommen wurde. Hätte eine Frau denselben Satz gesagt, so Blickle, wäre die Reaktion vermutlich gewesen, sie sei hysterisch und überdreht.

Solche Beispiele zeigen, wie tiefliegende Erwartungen an Geschlechterrollen die Bewertung von Verhalten färben: Von Frauen wird häufiger Kooperation und soziale Verträglichkeit erwartet, während von Männern Durchsetzungsstärke toleriert oder gar gelobt wird. Die Folge sind nicht nur falsche Urteile, sondern oft auch karrierebezogene Nachteile für Frauen, die Führungsrollen übernehmen wollen.

Was Organisationen tun können

Um diese Ungleichbehandlung zu reduzieren, empfehlen Fachleute transparente Bewertungskriterien, Trainings für Führungskräfte zur Sensibilisierung für unbewusste Vorurteile und eine Kultur, in der Verhaltensweisen einheitlich gewürdigt werden. Nur so lasse sich verhindern, dass legitimes, leistungsorientiertes Auftreten von Frauen als Regelverstoß interpretiert und sanktioniert wird.

Die Debatte zeigt: Es geht nicht allein um individuelles Verhalten, sondern um die sozialen Rahmenbedingungen, die bestimmen, welche Verhaltensweisen akzeptiert und welche bestraft werden.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: radio912.de

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