Menstruationsbeschwerden im Job: Tabu, Leistungsverlust und die Frage nach Krankschreibung
Menstruationsbeschwerden belasten den Arbeitsalltag, werden aber oft verschwiegen
Krämpfe, Übelkeit, Kopfschmerz und Erschöpfung: Für viele Frauen bedeutet die Periode mehr als nur Unbehagen, sie beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit im Beruf. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass das Thema am Arbeitsplatz vielfach tabuisiert ist und nur selten offen angesprochen wird.
Die Befragung unter 1051 berufstätigen Frauen im Mai 2026 ergab, dass 78 Prozent angeben, ihre Menstruationsbeschwerden beeinflussten ihren Arbeitsalltag. Viele berichten über konkrete Folgen:
- Schnellere Erschöpfung als sonst 66 Prozent
- Gesteigerte Gereiztheit und Empfindlichkeit 61 Prozent
- Emotionale Belastbarkeit nimmt ab 56 Prozent
- Stärkere Schwankungen in der Leistungsfähigkeit 53 Prozent
- Konzentrationsprobleme 48 Prozent
Trotz dieser Belastungen: 45 Prozent der Teilnehmerinnen empfinden Menstruationsbeschwerden in ihrer Firma als Tabuthema, nur 31 Prozent widersprechen dieser Einschätzung. Drei Viertel geben an, das Thema käme im Austausch mit männlichen Kollegen nicht zur Sprache, und 57 Prozent versuchen im Arbeitsalltag, das Problem einfach auszublenden und weiterzuarbeiten. Mehr als ein Drittel nimmt bei starken Beschwerden Medikamente, aber nur rund fünf Prozent melden sich ausdrücklich wegen Periodenschmerzen krank.
Rechtliche Lage und ärztliche Einschätzung
Was bedeutet das rechtlich? Fachanwältin für Arbeitsrecht Nathalie Oberthür aus Köln erläutert, dass Menstruationsbeschwerden an sich keine Krankheit im juristischen Sinne seien, aber dann eine Krankschreibung gerechtfertigt sei, wenn die Beschwerden so stark sind, dass eine Arbeitsunfähigkeit vorliege. «Ärztinnen und Ärzte müssen individuell prüfen, ob die Symptome einen solchen Schweregrad erreichen.» In Einzelfällen könnten wiederkehrende, starke Beschwerden sogar regelmäßige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen rechtfertigen.
Ob Betroffene den konkreten Grund ihrer Krankschreibung offenlegen wollen, bleibt der persönlichen Entscheidung überlassen. Eine Verpflichtung zur Angabe bestehe nur in Ausnahmefällen, etwa wenn die Glaubwürdigkeit eines Attests infrage stehe.
Forderungen aus der Umfrage
Die Mehrheit der Befragten bewertet Menstruationsbeschwerden als ein in der Arbeitswelt unterschätztes Thema und wünscht sich einen offeneren Umgang: 59 Prozent erwarten mehr Engagement von den Personalabteilungen, 56 Prozent mehr Aufmerksamkeit seitens der Führungskräfte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Unternehmen von transparenten Regelungen, sensiblen Führungskräften und einer Kultur profitieren würden, in der gesundheitliche Einschränkungen ohne Stigma thematisiert werden können.
Die befragten Frauen waren im Durchschnitt 36,3 Jahre alt. Die Studie wurde bundesweit durchgeführt.

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