Vom Kündigungsopfer zur gefragten Executive Assistant
Vertrauen statt Anwesenheitspflicht: Wie Candy ihren Arbeitsalltag neu erfand
Candy arbeitete zehn Jahre lang bei einem Arbeitgeber mit strikter Anwesenheitspflicht. Als die Pandemie alle ins Homeoffice schickte, erlebte sie, wie sich ihr Alltag veränderte. Doch im nächsten Job schlichen sich aus einem Bürotag pro Woche bald fünf ein. Nicht weil die Aufgaben es verlangten, sondern weil das Vertrauen fehlte. Am Ende verlor sie die Stelle.
Nach der Kündigung bildete sich Candy ein halbes Jahr lang zur virtuellen Assistentin weiter und überlegte, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Kinder, Verantwortung und die Angst vor dem Scheitern hielten sie zunächst zurück. Stattdessen bewarb sie sich initiativ bei einem kleinen Photovoltaik-Unternehmen, obwohl dort keine Stelle ausgeschrieben war. Die Reaktion der neuen Chefs überraschte sie: Sie wollten ihr Vertrauen schenken und nicht mehr auf Präsenz pochen.
Heute arbeitet Candy als Executive Assistant und koordiniert ab Januar Aufgaben für vier verschiedene Unternehmen. Sie tut das von überall mit Internetzugang, und sie räumt mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: Nein, sie ist nicht permanent im Urlaub. Vielmehr organisiert sie ihren Arbeitstag so, dass Beruf und Familie zusammenpassen. Manchmal arbeitet sie mitten im Schwedenurlaub an einem Projekt, manchmal klappt sie am Flughafen den Laptop auf, während andere Kaffee trinken.
Im Gespräch erklärt Candy den Unterschied zwischen virtueller Assistentin und Executive Assistant, wie man Aufträge gewinnt, warum initiatives Anbieten oft erfolgreicher ist als klassische Bewerbungen und welche Rolle Künstliche Intelligenz in ihrem Alltag spielt. Die Folge wurde an dem Ort aufgenommen, an dem sie die Protagonistin vor Jahren erstmals persönlich trafen, einem Flughafen, und zeichnet ein Bild von Selbstbestimmung, neuem Vertrauen und beruflicher Neuorientierung.
Ausbildungstechnisch bringt Candy eine ungewöhnliche Mischung mit: Sie lernte Bürokauffrau und Friseurin und fand ihren Traumberuf mit 41 Jahren. Ihre Geschichte zeigt, dass sich Karrierewege auch spät noch grundlegend ändern können, wenn Arbeitgeber Vertrauen schenken und Arbeitnehmer mutig neue Wege gehen.