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Debatte um Achtstundentag: IW plädiert für Ausweitung erst für Bürobeschäftigte

30. Mai 2026

Vorschlag sieht differenzierte Lockerung der täglichen Höchstarbeitszeit vor

Berlin — In der Debatte um die Zukunft des Achtstundentags hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft empfohlen, eine mögliche Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit zunächst nur auf Berufsgruppen ohne offensichtliche Gesundheitsrisiken zu beschränken. Im Zentrum stehe demnach eine behutsame Reform, die Flexibilität für Unternehmen und Beschäftigte verbinden soll.

IW-Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes argumentierte gegenüber Medien der Funke-Mediengruppe, eine solche Staffelung könne helfen, private Wünsche und betriebliche Anforderungen besser in Einklang zu bringen. Als Beispiel nannte er Bürobeschäftigte, deren Tätigkeiten weniger körperliche Gefährdungen mit sich brächten und die daher aus Sicht des Instituts ein geeignetes Testfeld für eine zeitliche Flexibilisierung darstellen könnten.

Gewerkschaften warnten zugleich eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen längerer Arbeitstage. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel betonte, dass zu lange Arbeitstage nachweislich Krankheiten begünstigten und so nicht nur Beschäftigten schadeten, sondern auch der Volkswirtschaft und dem Gesundheitssystem. Die NGG sprach von einem Rückschritt und verwies auf arbeitsmedizinische Studien, die erhöhte Risiken bei ausgedehnten täglichen Arbeitszeiten zeigten.

Historisch ist der Achtstundentag in Deutschland seit 1918 verankert. Die aktuelle Debatte hat zudem eine politische Dimension: Die Koalition erwägt, statt strikter täglicher Grenzen einen wöchentlichen Rahmen für die Arbeitszeit einzuführen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kündigte an, zeitnah einen Gesetzesentwurf vorzulegen, der flexiblere Regelungen ermöglichen soll.

Kritiker warnen vor einer einseitigen Belastung der Arbeitnehmer und fordern, Gesundheitsschutz und Arbeitsschutz strikt zu verteidigen. Befürworter verweisen auf die Chancen, durch angepasste Regeln besser auf individuelle Lebenssituationen und betriebliche Erfordernisse reagieren zu können.

Die Auseinandersetzung dürfte weitergehen: Arbeitgeberseite, Gewerkschaften und die Politik müssen nun prüfen, ob eine gestufte Reform rechtlich, arbeitsmedizinisch und praktisch tragfähig ist und welche Schutzmechanismen nötig sind, um missbräuchliche Ausweitungen zu verhindern.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: spiegel.de
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