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Homeoffice und Arbeitszeitbetrug: Zwischen Nachsicht und Konsequenz

09. Mai 2026

Arbeitszeitbetrug im Homeoffice belastet Unternehmen finanziell und moralisch

Berlin. Wäsche waschen, kurz einkaufen, eine Folge streamen oder ein Nickerchen auf dem Sofa – viele Beschäftigte erledigen im Homeoffice private Aufgaben, während die Arbeitszeit weiterläuft. Studien zeigen, dass dieses Verhalten kein Ausnahmephänomen ist: In einer Umfrage gaben 13 Prozent von 1000 Beschäftigten an, ihre Arbeitszeit regelmäßig nicht korrekt zu erfassen, und rund drei Viertel haben schon einmal private Tätigkeiten während eigentlich bezahlter Arbeitszeit erledigt.

Arbeitszeitbetrug ist kein rein moralisches Problem. Laut Sascha Stowasser vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft verursachen Fehlzeiten und nicht geleistete Arbeit erhebliche Kosten für Unternehmen. «Fehlzeiten sind für Unternehmen sehr teuer» lautet seine nüchterne Bewertung. Die Folgen reichen von Produktivitätsverlusten und zusätzlichem Kontrollaufwand bis zu rechtlichen Auseinandersetzungen, wenn Arbeitgeber gegen mutmaßliche Pflichtverletzungen vorgehen.

Wann endet Nachsicht und wann beginnt Betrug

Abgrenzungen sind schwierig: Gelegentliche private Erledigungen gelten in vielen Teams als tolerierbar, solange die Leistung insgesamt stimmt. Systematisches Vorspielen von Arbeit, bewusstes Fälschen von Zeitaufzeichnungen oder wiederholtes unbezahltes Wegbleiben während vereinbarter Arbeitszeiten hingegen überschreiten die Grenze zur Pflichtverletzung. Die rechtlichen Konsequenzen hängen vom Einzelfall ab und können von Abmahnungen bis zur Kündigung oder Forderungen nach Schadensersatz reichen.

Was Führungskräfte jetzt tun können

  • Klare Regeln etablieren: Eindeutige Richtlinien zur Erfassung von Arbeitszeit und zur Erreichbarkeit schaffen Verbindlichkeit.
  • Vertrauen mit Kontrolle kombinieren: Vertrauen ist wichtig, doch Stichproben, transparente Reports und nachvollziehbare Prozesse reduzieren Anreize für Missbrauch.
  • Arbeitsorganisation anpassen: Zielorientierte Vorgaben und klare Deadlines lenken den Fokus weg von reiner Präsenz hin zu Ergebnissen.
  • Technik und Datenschutz abwägen: Digitale Zeiterfassung kann helfen, muss aber datenschutzkonform und verhältnismäßig eingesetzt werden.
  • Konsequenzen kommunizieren: Sanktionsstufen transparent machen und im Wiederholungsfall konsequent handeln.

Personalverantwortliche stehen vor dem Spagat, produktive, selbstbestimmte Arbeitsmodelle zu ermöglichen und zugleich Missbrauch zu verhindern. Eine Mischung aus klaren Regeln, vertrauensbildenden Maßnahmen und gezielten Kontrollen gilt als erfolgversprechend.

Für Unternehmen bleibt die Herausforderung bestehen, transparente Erwartungen zu formulieren und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende Leistung erbringen, ohne sich dauerhaft beobachtet zu fühlen. Im Alltag bedeutet das: weniger reine Präsenzkontrolle, mehr Ergebnisorientierung und eine klare Kommunikation dessen, was akzeptabel ist und was nicht.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: handelsblatt.com

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