Kater, Kick, Kündigung: Warum WM schauen am Arbeitsplatz zum Risiko wird
Späte Anstoßzeiten stellen Beschäftigte und Betriebe vor arbeitsrechtliche Konflikte
In Deutschland bringt die Fußball-WM 2026 viele Beschäftigte in Zeitnot: Nach nächtlichen Spielen drohen Müdigkeit, Verspätungen oder sogar Restalkohol am Arbeitsplatz. Eine aktuelle Umfrage von Kununu zeigt, wie stark Anstoßzeiten die Bereitschaft beeinflussen, Spiele live zu sehen und wie Beschäftigte versuchen, mit Gleitzeit, Homeoffice oder Urlaub flexibel zu reagieren.
Arbeitsrechtlich gilt klar: Arbeitszeit ist Arbeitszeit. Das bedeutet in der Praxis, dass das eigenmächtige Anschauen ganzer Spiele während der Dienstzeit in den meisten Betrieben nicht zulässig ist. Selbst kurze, wiederholte Ablenkungen vom Bildschirm können eine Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen; Gerichte haben bereits Abmahnungen in solchen Fällen bestätigt.
Keine automatische Regelung: Abstimmung ist entscheidend
Weder Homeoffice noch späterer Arbeitsbeginn sind nach einem späten Spiel automatisch erlaubt. Teams mit Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit oder individuellen Absprachen haben hier Spielraum, ansonsten gilt: Vorher mit dem Arbeitgeber klären. Wer einfach 30 Minuten später erscheint, riskiert zumindest eine Abmahnung bei wiederholten Fällen.
Wenn die Müdigkeit Fehler oder Gefahren verursacht
Müdigkeit entbindet nicht von der Verantwortung: Beschäftigte müssen arbeitsfähig erscheinen. In sicherheitsrelevanten Berufen ist das besonders kritisch. Arbeitgeber und Mitarbeitende sollten offen sprechen, um Gefährdungen zu vermeiden, etwa durch Schichttausch, Überstundenabbau oder vorübergehende Umplanung gefährlicher Tätigkeiten.
Alkohol und Krankmeldung nach der Fußballnacht
Es gibt keine einheitliche Promillegrenze für alle Berufe, entscheidend ist, ob die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Bei sicherheitskritischen Tätigkeiten gilt faktisch ein absolutes Alkoholverbot. Erscheint jemand auffällig alkoholisiert, darf der Arbeitgeber reagieren und den Beschäftigten nach Hause schicken; in solchen Fällen kann auch der Entgeltanspruch entfallen. Krankmelden darf sich nur, wer tatsächlich arbeitsunfähig ist; häufige Krankmeldungen nach Spielen wecken berechtigte Zweifel beim Arbeitgeber.
Pragmatisch bleiben
Die Praxis zeigt: Klare Absprachen, Vertrauen und pragmatische Lösungen helfen beiden Seiten. Arbeitgeber sollten Regelungen anbieten, die Flexibilität ermöglichen, und Beschäftigte sollten frühzeitig das Gespräch suchen statt einfach zu handeln. So lässt sich die WM genießen, ohne die berufliche Existenz zu gefährden.
- Wer Spiele während der Arbeitszeit schaut, braucht die Zustimmung des Arbeitgebers.
- Späterer Arbeitsbeginn oder Homeoffice müssen vorher abgesprochen werden.
- Alkohol am Arbeitsplatz ist vor allem in sicherheitsrelevanten Bereichen strikt tabu.
- Bei wiederholten Verstößen drohen Abmahnung und im Extremfall Kündigung.
Die WM ist ein gesellschaftliches Ereignis, doch sie verändert nicht die rechtlichen Pflichten im Job. Wer sich an Regeln hält und mit dem Arbeitgeber kooperiert, reduziert das berufliche Risiko nach der Siegesnacht.

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