Längere Arbeitszeiten fördern Fettleibigkeit, zeigt große OECD-Analyse
Weniger Arbeitszeit, weniger Fettleibigkeit
Istanbul — Eine multinationale Analyse, vorgestellt beim Europäischen Kongress für Fettleibigkeit in Istanbul am 12. Mai, bringt Arbeit und Körpergewicht in direkten Zusammenhang: Kürzere Arbeitszeiten gehen mit sinkenden Raten von Fettleibigkeit in der Bevölkerung einher.
Die Forscher werteten Daten aus 33 OECD-Staaten für den Zeitraum 1990 bis 2022 aus und verglichen nationale Arbeitsmuster mit der Verbreitung von Übergewicht und Adipositas. Insgesamt zeigte sich, dass eine Verringerung der jährlichen Arbeitszeit um 1% mit einem Rückgang der Fettleibigkeitsrate um 0,16% verbunden ist. In einer historischen Betrachtung für 1990 bis 2010 war der Effekt bei Männern mit 0,24% stärker ausgeprägt als bei Frauen mit 0,17%.
Die Studie nutzte öffentlich zugängliche Zahlen der OECD, Weltgesundheitsorganisation und Weltbank und berücksichtigte Faktoren wie Wohlstand und Urbanisierung. Überraschend war, dass die national gemeldeten Durchschnittswerte für Energie- und Fettkonsum nicht direkt mit den Adipositasraten korrespondierten.
Zu den möglichen Ursachen zählten die Autorinnen und Autoren weniger Zeit für Bewegung, eine stärkere Abhängigkeit von Fertiggerichten sowie stressbedingtes Essen. Auch erhöhte Cortisolwerte durch andauernden Stress könnten die Fettspeicherung begünstigen. Zudem zeigte die Analyse, dass ein höheres BIP pro Kopf tendenziell mit geringerer Adipositas einhergeht: Ein Anstieg des Wohlstands um 1% ging mit einem Rückgang der Fettleibigkeit um etwas mehr als 0,1% einher.
Die Untersuchung nannte auch konkrete Länderwerte: Im Jahr 2022 wiesen die USA mit 41,99% die höchste Adipositasrate unter den OECD-Staaten auf, Japan lag mit 5,54% am unteren Ende. Länder wie Chile, Mexiko und Neuseeland überschritten die 30%-Marke. Deutschland gehörte zu den Staaten mit vergleichsweise geringen jährlichen Arbeitszeiten.
Dr. Pradeepa Korale-Gedara von der University of Queensland, die die Studie leitete, fasste die Bedeutung zusammen: «Wenn Menschen ein ausgeglicheneres Leben haben, haben sie ein besseres Leben. Sie haben weniger Stress, können sich stärker auf nahrhafte Lebensmittel konzentrieren und mehr körperliche Aktivitäten ausüben.»
Die Autoren betonen, dass neben Arbeitszeiten auch städtische Strukturen, Lebensmittelpreise und wirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheidend sind, um gesundes Verhalten zu erleichtern. Politische Maßnahmen zur Arbeitszeitgestaltung und stadtplanerische Konzepte könnten demnach einen Beitrag zur Prävention leisten.
Redaktion

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