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Lynda Gratton fordert klare Regeln für Homeoffice, Weiterbildung und KI

12. Mai 2026

Gewissenhafte Mitarbeitende bleiben auch im Homeoffice produktiv

London/Berlin – Lynda Gratton, renommierte Managementprofessorin an der London Business School, mahnt Führungskräfte zu einem nüchternen Umgang mit der Debatte um Homeoffice und New Work. In einem Gespräch skizziert sie, wie Unternehmen Struktur, Transparenz und gezielte Förderung verbinden müssen, damit Flexibilität nicht zu Ungleichheit und Nachteilen für Berufseinsteiger führt.

Gratton betont, dass Homeoffice kein Automatismus, sondern Teil eines gestaltbaren Arbeitsmodells sein muss. Entscheidend sei, klare Erwartungen zu formulieren, hybride Abläufe zu organisieren und Leistungsmaßstäbe offen zu kommunizieren. Wer gewissenhaft arbeite, bleibe auch außerhalb des Büros produktiv, sagt sie, gleichzeitig warnt sie davor, die Beurteilung allein an Präsenz festzumachen.

Eine besondere Sorge gilt jungen Talenten: Ohne bewusste Onboarding-Maßnahmen und informelle Lernräume drohe, dass Junioren weniger Gelegenheit erhielten, von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu lernen. Gratton plädiert für strukturierte Mentoring‑Programme, regelmäßige Präsenzphasen für Teamkultur und klare Karrierepfade, damit der Übergang in die Arbeitswelt nicht zu einem Lotteriespiel werde.

Zur Rolle der künstlichen Intelligenz erklärt die Professorin, dass KI Routineaufgaben verändern werde, zugleich aber neue Anforderungen an Führungskompetenz und Weiterbildung stelle. Entscheidend sei, Mitarbeitende gezielt zu qualifizieren und KI als Werkzeug für sinnvollere Arbeit zu nutzen, statt sie als Ersatz für Führung und Lernen zu begreifen.

Für Unternehmen folgert Gratton dies ganz konkret: Definierte Regeln für hybride Arbeit, transparente Leistungsindikatoren, systematische Förderung junger Beschäftigter und ein kontinuierlicher Qualifizierungsplan für den Umgang mit KI. Nur so lasse sich die Versöhnung von Flexibilität und Chancengleichheit erreichen.

Das Interview wurde geführt von Dominik Reintjes am 12.05.2026. Die Beobachtungen sind vor dem Hintergrund deutscher Debatten um Homeoffice und Fachkräftenachwuchs von Relevanz für Unternehmen deutschlandweit.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: wiwo.de

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