Vom Bildschirm zur Maschine: Gründer treibt HelloPrint radikale KI-Transformation voran
Gründer stellt Unternehmen radikal auf KI um und sagt klassischen Bildschirmarbeitsplätzen den Kampf an
Hans Scheffer, Gründer der internationalen Online-Druckplattform HelloPrint, plant einen tiefgreifenden Umbau seiner Firma. Trotz eines Jahresumsatzes von rund 80 Millionen Euro will Scheffer die Organisation so umgestalten, dass ein KI-gesteuertes Kernsystem zentrale Dienste und Entscheidungen bündelt. Ziel ist laut Scheffer ein Unternehmen, in dem Technologie den Takt vorgibt und traditionelle Abteilungsgrenzen an Bedeutung verlieren.
Der Umbau hat bereits spürbare Folgen gezeigt. Im Kundenservice sank die Zahl der Mitarbeiter von etwa hundert auf 18, während das Unternehmen nach eigenen Angaben die Servicequalität halten oder sogar steigern konnte. Scheffer warnt jedoch zugleich vor den Härten des Übergangs: «Jeder Bürojob vor einem Bildschirm wird verschwinden. Viele Menschen unterschätzen, wie schnell das geht.» Seine Botschaft an Beschäftigte ist eindeutig: Nur wer in seine Kompetenzen investiert, wird in der neuen Struktur bestehen.
Effizienz gegen Unternehmenskultur: Ein zweischneidiges Schwert
Die Verlagerung hin zu datengetriebenen, automatisierten Prozessen verspricht Kostenvorteile und schnellere Entscheidungen. Experten mahnen jedoch, dass technische Effizienz allein nicht ausreicht. Dirk Schmidt, Coach und Motivationstrainer, beschreibt einen Fall, in dem eine komplette Logistikplanung an ein KI-System ausgelagert wurde: Die Kennzahlen verbesserten sich, aber die Mitarbeiterzufriedenheit und der informelle Austausch brachen ein, weil Pausen und Begegnungen zu starr geregelt wurden. Die Folge war eine dramatisch höhere Fluktuation.
Fachleute heben drei menschliche Qualitäten hervor, die Maschinen nicht ersetzen können:
- Intuition: KIs rechnen mit Vergangenem, Entscheider handeln für die Zukunft und treffen manchmal bewusst unlogische Entscheidungen.
- Psychologische Sicherheit: Empathie und Raum für Fehler schafft nur ein Mensch.
- Die Extra-Meile: Motivation und Identifikation mit einer Führungsperson bringen Mitarbeitende dazu, deutlich über das Erwartbare hinauszugehen.
Was Beschäftigte und Unternehmen jetzt tun sollten
Die Transformation bietet Chancen, vor allem für Firmen ohne große Altlasten, die sich leichter neu aufstellen lassen. Für Beschäftigte heißt das: Weiterbildung wird zur Eintrittskarte in die neue Arbeitswelt. Unternehmen wiederum stehen in der Pflicht, Automatisierung so zu gestalten, dass Effizienzgewinne nicht zulasten von Teamgeist und Vertrauen gehen. Scheffers Praxisfall ist ein frühes Beispiel dafür, wie schnell Organisationen umgebaut werden können und wie wichtig ein begleitender Fokus auf Kultur und Qualifizierung ist.
Am Ende bleibt die Spannung zwischen technologischer Machbarkeit und sozialer Nachhaltigkeit. Die Frage wird nicht nur sein, wie viele Prozesse eine KI übernehmen kann, sondern wie Unternehmen den menschlichen Beitrag neu bewerten und halten wollen.

05. Juni
Neues Büro in Bergedorf: Maler und Bodenleger MBT startet mit Team und Kundenschwerpunkt«Mein Job ist mein Hobby» Neuer Handwerksstützpunkt in Bergedorf
Weiterlesen ⮞

04. Juni
Wandel durch KI bringt Handwerk einen Imagegewinn gegenüber BürojobsVom Schreibtisch auf die Baustelle: Warum das Handwerk plötzlich sicherer wirkt
Weiterlesen ⮞

02. Juni
Frühjahrsreihe Frau & Job: Über 30 Angebote zu KI, Führung und Finanzwissen stärken Frauen im BerufMehr Selbstvertrauen, neue Perspektiven: Frauen stärken ihre Karriere mit gezielter Weiterbildung
Weiterlesen ⮞