Zwischen Hoodie und Hemd: Wie lässig darf Berufsbekleidung heute sein
Lässigkeit ist angekommen, doch Anlass bleibt entscheidend
Die Kleiderordnung im Berufsalltag hat sich in den vergangenen Jahren tiefgreifend gewandelt. Was früher Standard war, wirkt heute oft überzogen: Die Krawatte verlor besonders seit der Pandemie vieles an Bedeutung, gleichzeitig hat die informelle Kleidung nicht zu einer völligen Auflösung von Standards geführt.
Knigge-Experte Michael Mayer aus Darmstadt betont, dass Lockerheit keine Freifahrt für Schluderlook ist. «Es muss immer adressatengerecht sein», sagt Mayer. Der Anlass, die Rolle im Unternehmen und die Erwartungen des Umfelds bestimmen, welche Kleidung angemessen ist. Wer sich zu leger kleidet, riskiert, falsch wahrgenommen zu werden; wer zu overdressed erscheint, fällt unangenehm auf.
Praktische Orientierungshilfen für den Büroalltag
Mayer rät zu pragmatischem Vorgehen: Beobachten, anpassen, respektieren. Konkrete Regeln lassen sich so zusammenfassen:
- Beim ersten Tag und bei Vorstellungsgesprächen lieber konservativ wählen und die Branche sowie das Unternehmen vorher recherchieren.
- Im Arbeitsalltag an Kolleginnen und Kollegen orientieren, ohne Erwartungen zu kopieren; der goldene Mittelweg ist smart casual.
- Homeoffice-Schlabberlook bleibt daheim; für Präsenztermine sind gepflegte Schuhe und ein aufgeräumtes Gesamtbild wichtig.
- Bei formellen Anlässen wie Hochzeiten oder Beerdigungen gilt: Ein klarer Hinweis auf der Einladung ist verbindlich. Wer ihn ignoriert, riskiert Beziehungsschäden.
Interessanterweise beobachtet Mayer auch eine Gegenbewegung: Viele junge Menschen kleiden sich bewusst schicker, weil das Styling als Ausdruck von Respekt und Selbstbewusstsein verstanden wird. Unternehmen, die dagegen rigide alte Regeln durchsetzen, könnten es schwerer haben, Talente anzuziehen.
Das Fazit des Experten ist nüchtern und praxisorientiert: Es geht weniger um ein Verbot von Hoodies als um Kontextbewusstsein. Kleidung kommuniziert, und wer diese Sprache beherrscht, bewegt sich sicherer im Berufsleben.
Interview geführt von Veit Berthold. Ansprechpartner in der Sache ist Michael Mayer, Knigge-Experte aus Darmstadt.

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