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Wenn Erfahrung zur Bremse wird: Wie Boomer‑Vorbehalte digitale Teams ausbremsen

09. Juni 2026

Altersstereotype bremsen digitale Transformation im Büro

Frankfurt – Diskussionen über Arbeitsmoral zwischen Generationen gehören zum Büroalltag. Aktuell sorgt ein Beitrag aus den USA auf Reddit für Aufmerksamkeit, in dem eine Managerin berichtet, ältere Kolleginnen und Kollegen weigerten sich systematisch, neue Dienstprogramme zu nutzen. Die Schilderungen reichen von Verweigerung, eine Schichtplan‑App anzunehmen, bis zu Ausflüchten, um sich nicht mit neuer Software auseinanderzusetzen.

Die Wahrnehmung, dass die Generationen aneinandergeraten, ist kein neues Phänomen. Annette Kluge, Professorin für Arbeits‑ und Organisationspsychologie an der Ruhr‑Universität Bochum, ordnet das Verhalten im Gespräch mit der Redaktion als Ausdruck von Altersstereotypen und gruppendynamischen Mechanismen ein. Jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neigten dazu, Älteren mangelnde Lernbereitschaft zuzuschreiben; Ältere wiederum hielten Jüngere mitunter für wenig belastbar oder zu sorglos.

Psychologisch wirke hier das sogenannte Ingroup‑Outgroup‑Phänomen: Gruppen grenzen sich ab, um die eigene Position aufzuwerten. In der Praxis bedeute das häufig Reibungen in altersgemischten Teams und erschwere die Zusammenarbeit, gerade wenn digitale Werkzeuge eingeführt werden sollen.

Kluge betont, dass die Zurückhaltung vieler älterer Beschäftigter gegenüber neuer Technik weniger dem Alter an sich geschuldet sei als der damit verbundenen Gefahr, Kompetenz einzubüßen. Wer auf jahrzehntelange Routinen zurückblicken könne, fühle sich in vertrauten Abläufen sicher. Neue Systeme verlangten bewusstes, langsameres Vorgehen und erhöhtes Fehlerpotenzial – eine Situation, die das Selbstwertgefühl und die Motivation belaste.

Besonders ausgeprägt zeige sich dieses Verhalten bei Mitarbeitenden kurz vor der Rente. Viele würden nüchtern abwägen, ob sich der Lernaufwand lohnt, wenn die neue Technik nach dem Renteneintritt kaum noch Relevanz habe. Das erkläre, warum aus Sicht vieler Betroffener die Reaktion nicht zwingend fehlende Lernbereitschaft, sondern pragmatische Kosten‑Nutzen‑Rechnung sei.

Die Expertin rät Unternehmen zu zwei Maßnahmen: Erstens, technische Neuerungen benutzerfreundlich und generationenübergreifend zu gestalten nach dem Prinzip Design für alle. Zweitens, bei Einführungen die psychologische Seite nicht zu vernachlässigen und gezielte Workshops zur Teamentwicklung anzubieten, in denen Stärken der unterschiedlichen Altersgruppen sichtbar werden und die Zusammenarbeit humorvoll und respektvoll geübt werden kann.

Unterm Strich zeigt die Debatte, dass pauschale Zuschreibungen wenig helfen. Statt in Kategorien wie fleißig oder faul zu denken, sei es produktiver, die Ursachen für Widerstände zu verstehen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen alle Mitarbeitenden ihre Erfahrung einbringen und sich zugleich sicher beim Lernen neuer Werkzeuge fühlen.

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